Qualifizierten geflüchteten Frauen eine berufliche Perspektive und damit eine eigenständige Existenzsicherung zu eröffnen, das ist das Ziel des jetzt im Landkreis Verden gestarteten Pilotprojekts „Perspektive am Arbeitsmarkt – im Team zum Erfolg“. Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung im Kreishaus fanden Mentees und ihre ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren nun zu Tandems zusammen, um ein Jahr lang gemeinsam an der beruflichen Perspektive der Mentees in Deutschland zu arbeiten.
Die acht Frauen, die als Mentees am Pilotprojekt teilnehmen, kommen unter anderem aus der Ukraine, aus Syrien und Afghanistan. Sie verfügen über eine Berufsausbildung oder ein Studium und haben zum Teil jahrelange Berufserfahrung. In ihren Heimatländern waren sie Lehrerin, Bauingenieurin, selbständige Unternehmerin, arbeiteten in einer Bank, als Journalistin, Bibliothekarin oder als Hebamme. In Deutschland konnten sie bislang aber beruflich noch nicht richtig Fuß fassen.

Die Programmorganisatorinnen, die Mentees sowie die Mentorinnen und Mentoren freuen sich über den Projektstart. (Foto: Landkreis Verden)
„Hier kommen die ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren ins Spiel“, berichtet Dr. Kerstin Blome, Gleichstellungsbeauftragte beim Landkreis Verden und eine der Initiatorinnen des Projekts. Sieben Frauen und ein Mann waren dem Aufruf des Projektteams gefolgt, um die geflüchteten Frauen zu unterstützen, eine berufliche Perspektive zu finden und umzusetzen. „Die Ehrenamtlichen kommen aus unterschiedlichen Branchen, aber sie alle kennen die Gegebenheiten des lokalen Arbeitsmarktes und können hier weiterhelfen“, so Blome weiter.
Mentoring, so Blome, sei ein zeitlich begrenztes ehrenamtliches Beratungs- und Unterstützungsangebot, bei dem eine Mentorin bzw. ein Mentor eigenes Wissen, persönliche Erfahrungen und Kontakte an den Mentee im Rahmen eines regelmäßigen Austausches weitergibt. „Mit dem Mentoringkonzept wollen wir geflüchtete Frauen dabei unterstützen, ihre Kompetenzen und Qualifikationen sowie beruflichen Erfahrungen für einen Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu nutzen“, erläutert Blome.
Das Projekt wird von der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft und der Wirtschaftsförderung des Landkreises Verden durchgeführt. Ziel, so die Organisatorinnen, sei die eigenständige Existenzsicherung – was geflüchteten Frauen trotz beruflicher Bildung häufig nicht gelinge. Es fehle für eine erfolgreiche berufliche Integration an Kenntnissen des lokalen Arbeitsmarktes, an nötigen beruflichen Netzwerken oder an mangelnder Anschlussfähigkeit der Qualifikationen an den deutschen Arbeitsmarkt, wie Studien belegen.
Im Ergebnis würden die gut ausgebildete Frauen in unqualifizierte Beschäftigungen im Niedriglohnsektor abgedrängt. Dabei liege in dieser Personengruppe ein wichtiges Potenzial für den Fachkräftemangel am hiesigen Arbeitsmarkt. Und auch die Frauen seien mit der Situation oft unzufrieden, weil sie sich beruflich nicht oder nur eingeschränkt verwirklichen könnten.
Pressemitteilung Landkreis Verden 27.11.2025


