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Blog: Neues von der Ausgrabung in Oyten
Sommer 2021
Ein Mittelalterhof kommt ans Licht
In Oyten soll eine „Neue Ortsmitte“ entstehen. Doch unter dem geplanten neuen Ortszentrum verbirgt sich im Boden ein ausgedehntes Gehöft aus dem Mittelalter mit Bauernhäusern, Scheunen, Schuppen, Speichern und Brunnen. Bevor die Bauarbeiten beginnen können, musste deshalb ausgraben werden. Die Ausgrabung in Oyten ist inzwischen abgeschlossen, die Aufarbeitung der Grabungsergebnisse beginnt jetzt. Fundbearbeitung, Laboruntersuchungen, Zeichnungen, Grafiken und natürlich die wissenschaftliche Auswertung: All das steht jetzt an und soll zum Schluss in einer Publikation vorgestellt werden.
Doch das sind umfangreiche Untersuchungen, die ein paar Jahre dauern werden. Damit Sie nicht so lange warten müssen, informieren wir Sie an dieser Stelle über den Fortgang der Arbeiten. Sie erfahren Neues, Altbekanntes und Unerwartetes, Sie schauen Archäologen über die Schulter und besuchen eine Restaurierungswerkstatt, Sie beschäftigen sich mit Laborberichten und Sie werfen einen Blick auf die Arbeit des Grafikers. Kurz: Seien Sie dabei, wenn nach und nach das neue Bild des alten Oyten entsteht. Schauen Sie öfter mal rein; die Beiträge erscheinen in loser Folge.

Blick auf die Ausgrabung im Sommer 2021 (Foto: Bernd Steffens, Landkreis Verden)

Ein Brunnen wird ausgegraben. (Foto: Bernd Steffens, Landkreis Verden) 
Hinweistafeln am Grabungszaun informieren über das Geschehen. (Foto: Bernd Steffens, LK Verden)
Januar 2022
Zu jedem Gehöft ein Grubenhaus
Grubenhäuser gehörten zur Standardausstattung mittelalterlicher Gehöfte; es gab sie auch in Oyten. Das waren kleine Erdhütten, von denen nur das spitze Dach oberirdisch sichtbar war. In den Grubenhäusern wurde in erster Linie gewebt, manchmal aber auch irgendein anderes Handwerk ausgeführt.

Das dunkle Rechteck ist die Verfüllung eines Grubenhauses; der Profilsteg ist eine grabungstechnische Maßnahme. (Foto: Bernd Steffens, LK Verden)
Grubenhäuser sind nicht sonderlich haltbar, sondern verfallen schnell. Wenn es sich noch lohnte, setzte man neue Pfosten, um das Dach zu stützen, und reparierte sicherlich auch die Dacheindeckung. Aber irgendwann waren die Pfosten völlig verrottet, das Dach stürzte ein, und wo vorher die Hütte stand, klaffte dann ein tiefes Loch. Eine Nachnutzung fand sich trotzdem noch: Hier entsorgten die Leute ihren Hausmüll. Deswegen sind die Grubenhäuser mit dunklem, stark humosem Boden verfüllt, der sich aus dem organischen Müll vergangener Jahrhunderte gebildet hat. Aber nicht nur Küchenabfälle fanden hier ihren Weg unter die Erde, sondern auch das zerbrochene Geschirr. Deswegen geben Grubenhäuser nicht nur über ihre Architektur Auskunft, sondern auch über das Geschirr, das zu jener Zeit in Gebrauch war.

Die dunklen Verfärbungen sind die Verfüllung des Grubenhauses 1275. Die dunklen Streifen am Rand waren die Holzwand, rechts vorne zeichnet sich ein dachtragender Pfosten als runde, graue Verfärbung ab. Die Steine gehören zu einem Ofen oder einer offenen Feuerstelle. (Foto: Stephanie Böker, ArchaeNord)

Direkt neben dem Ofen war ein dachtragender Pfosten eingegraben; der Brandschutz spielte offenkundig nicht dieselbe Rolle wie heute. (Foto: Stephanie Böker, ArchaeNord)
In einem typischen Grubenhaus stand ein Webstuhl. Anders als in den Heimatmuseen standen die mittelalterlichen Webstühle aufrecht. An den Kettfäden hingen tönerne Webgewichte, dadurch bekamen sie die nötige Spannung. Der fertige Stoff wurde oben auf dem Warenbaum aufgewickelt.
Grubenhäuser waren beheizbar; von den ehemaligen Öfen findet man noch Steine, Holzkohle und schwarz verfärbtes Erdreich.
Üblicherweise hatte jedes Bauernhaus ein oder zwei Grubenhäuser. In Oyten wurden gleich 13 Grubenhäuser ausgegraben, die zu zwei großen Hauptgebäuden gehörten. Das sind zu viele! Bislang kann man über die Ursachen nur spekulieren. Die weitere Auswertung wird diesen ungewöhnlichen Sachverhalt hoffentlich erhellen.

Rekonstruktionszeichnung: So könnte das Oytener Grubenhaus ausgesehen haben. (Zeichnung: R. Haubold, LK Verden)

Weben am stehenden Webstuhl (Zeichnung: R. Lindenbauer (†))

Blick auf das Modell eines Grubenhauses; vor dem Haus liegt Leinen auf der Bleiche. (Modell: M. Raba)
