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Ein Blick ins Bücherregal
Die Verdener Domburg - Neue Erkenntnisse zu alten Ausgrabungen
Ein neues Buch aus dem Michael Imhoff-Verlag (Petersberg) befasst sich mit der Geschichte des Bischofssitzes Verden. Der ehemalige ehrenamtliche Denkmalpfleger Detlef Schünemann hat Teile der Domburg ausgegraben. Er stellt das Buch vor:
"Die karolingischen Bischofssitze des sächsischen Stammesgebietes bis 1200" ist ein recht aufwändig gestaltetes wissenschaftliches Buch. Nach jahrelangen Nachforschungen in Denkmalämtern, Archiven und Museen und bei den beteiligten Ausgräbern ist ein umfassendes Werk erschienen, für das die vorhandene umfangreiche Literatur und noch unveröffentlichte Grabungsberichte kritisch ausgewertet wurden. Autor ist der Archäologe Dr. Frank Wilschewski, der mit dieser Dissertation in Kiel zum Dr. phil. promoviert wurde. Mehr als ein Drittel des Textes befasst sich mit den Bischofssitzen Verden und Bremen.
Daneben werden die früheren Bischofssitze Halberstadt, Hamburg, Hildesheim, Minden, Münster, Osnabrück und Paderborn ausgewertet. Bei den genannten Orten geht es vornehmlich um die Darlegung der in damaligen Zeiten notwendigen ältesten Befestigungen dieser Missionszentren ab kurz vor 800 bis etwa 1000 nach Christus und um die Analyse der ältesten ergrabenen Dombauten, die sich unter den heutigen Domen befinden.
In Verden wurden durch die Erforschung des Ringwalles "Alte Burg" auf dem Burgberg (1959) und durch den Anschnitt einer Holz-Erde-Spitzengrabenbefestigung (1962 und 1980/81, entdeckt durch Studiendirektor Ulrich Eidinger) seitens der Urgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft des Kreises Verden die wissenschaftlichen Grundlagen gelegt. Innerhalb des Verdener Doms gruben Frau Dr. Clara Redlich und Landeskonservator Dr. Urs Boeck.
Frank Wilschewski hat jene Erkenntnisse im Wesentlichen bestätigt, aber auch weitergehende Schlüsse gezogen; 49 Abbildungen illustrieren allein das Kapital Verden. Erst als sich die politische Lage im sächsischen Stammesgebiet stabilisiert hatte, erhoben Karl der Große und später Ludwig der Fromme geeignete Orte zu Bischofssitzen. Für Verden betont Wilschewski die günstige Verkehrslage an der Furt, dafür nahm man die Nachteile des ungeschützten Flussufers in Kauf, anstatt auf den steilen Burgberg auszuweichen. Innerhalb von 700 Jahren Nutzungsdauer stellt Wilschweski vier Ausbauphasen fest.
Frank Wilschewski, Die karolingischen Bischofssitze des sächsischen Stammesgebietes bis 1200, Michael-Imhoff-Verlag; 311 Seiten, 214 Abbildungen, ISBN 978-3-86568-127-0, Preis 59,00 EUR.
Auf dem Rücken der Pferde
Aufsätze beleuchten die Archäologie von Pferd und Wagen in Nordwestdeutschland
Warum essen wir kein Pferdefleisch? Wo wurde das Rad erfunden? Seit wann gibt es bei uns ausgebaute Straßen? Antworten auf diese Fragen findet man im Buch Pferdeopfer - Reiterkrieger. Fahren und Reiten durch die Jahrtausende, der als Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Focke-Museum in Bremen erschienen ist.
Dem Herausgeber Manfred Rech ist es gelungen, Aufsätze von Spezialisten aus ganz Nordwestdeutschland zusammenzutragen. Sie untersuchen die gemeinsame Geschichte von Pferd und Mensch, die immerhin 400.000 Jahre zurückreicht. Von den Wildpferden, die homo erectus verzehrte, über Pferdeopfer der Germanen bis zu den mittelalterlichen Schlachtrössern reicht dabei das Spektrum der Themen. Die Verdener Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht stellt dabei unter dem Titel Pferde und ein Reiter, Wege und ein Wagen den Reiterkreis Verden im Spiegel archäologischer Funde vor.
Die Ausstellung im Bremer Focke-Museum ist noch bis zum 25. März zu sehen. Danach wandert sie nach Hamm ins Gustav-Lübcke-Museum, anschließend nach Krefeld.
Manfred Rech (Hrsg.), Pferdeopfer - Reiterkrieger. Fahren und Reiten durch die Jahrtausende. Bremer Archäologische Blätter Beiheft 4, 2006. ISBN-10: 3-7749-3479-7; ISBN-13: 978-3-7749-3479-5, 25,- EUR.
Archäologische Denkmale im Landkreis Verden
"Archäologische Denkmale im Landkreis Verden" ist der kurze und knappe Titel einer Broschüre, die die wichtigsten Denkmale im Kreisgebiet vorstellt. Ob Hügelgräberheide bei Kirchlinteln oder Turmhügel bei Barme, Langwedeler Burg oder Landwehr bei Hülsen: Archäologie im Landkreis Verden ist spannend und abwechslungsreich.
Das Alter der Denkmale reicht von ein paar hundert Jahren (Grenzsteine von 1575 in Hülsen) bis zu mehr als hunderttausend Jahren (Lehringer Mergelgrube mit Fundstelle des Waldelefanten aus der Zeit des Neandertalers) zurück. Die Burg an der Alten Aller bei Hagen-Grinden, die Hünenburg in Achim-Baden und die Turmhügelburg bei Gut Oenigstedt sind eindrucksvolle und gut erhaltene Zeugen des mittelalterlichen Burgenbaus.
Eine ganz andere Art von Denkmalen hat hingegen schwer gelitten: die Großsteingräber der Jungsteinzeit. Die Findlinge waren ein begehrtes Baumaterial und wurden für den privaten Hausbau oder zur Befestigung von Wegen aus den Gräbern gezerrt und zerschlagen. Heute erinnert nur noch ein einzelner Stein im Düvelshagen nördlich von Völkersen an das Megalithgrab, das einmal hier stand. Es ist das letzte von etwa zehn, die jungsteinzeitliche Menschen im Kreisgebiet errichteten.
Versteckt in den heimischen Wäldern haben Hügelgräber aus der Bronzezeit bis heute mehr oder weniger unverändert überdauert. Eine Grabhügelgruppe mit zeittypischem Heidebewuchs befindet sich auf der Hügelgräberheide bei Kirchlinteln. Doch die Broschüre stellt auch Denkmale vor, die oberirdisch nicht mehr sichtbar sind, etwa ein untergegangenes mittelalterliches Dorf bei Ottersberg und einen Urnenfriedhof bei Achim.
Die Broschüre liegt im Kreishaus zur kostenlosen Mitnahme aus.
