Inhaltsbereich
Die Höfe am goldenen Bach - Daverden vor 3.000 Jahren
Abbildung: Christopher Gibbons Verden (Aller)Die Höfe am goldenen Bach
Ungefähr 3.000 Jahre ist es her ... Auch damals lebten Menschen im Landkreis Verden. Sie waren Bäuerinnen und Bauern, sie lebten auf ihren Höfen, hielten Vieh und bewirtschafteten ihre Felder. Einige ließen sich am Goldbach bei Daverden nieder.
Diese Menschen leben schon lange nicht mehr, ihre Häuser sind längst verfallen, und keiner hätte jemals von ihnen erfahren, wenn nicht ... Und hier beginnt die abenteuerliche Geschichte der Entdeckung und Ausgrabung der archäologischen Fundstelle mit der Nummer 9 der Gemarkung Daverden.
Der Platz für die Siedlung war gut gewählt: Der Goldbach lieferte Wasser, in der weiten Bachaue konnte das Vieh weiden, die Geestkuppe bot geeignete Böden für die Äcker, das Moor schützte vor wilden Tieren, und das breite Urstromtal von Weser und Aller schuf die Verbindung zur großen, weiten Welt.
Modell eines Hauses aus Daverden. Rekonstruiert nach dem originalen Grabungsbefund.Ein Dach über dem Kopf
Die Menschen am Goldbach lebten in großen Holzhäusern. Davon haben sich die Spuren der eingegrabenen Pfosten im Boden erhalten. Das am besten erhaltene Haus war 25 Meter lang und etwa 5,50 Meter breit. Es gehört in die Zeit um 1.000 - 800 v. Chr. Wie vielen Menschen es Schutz und Obdach bot, wissen wir nicht.
Außer den Häusern gab es Brunnen, Feuerstellen, Vorratsgruben und Speicher. Ein Zaun riegelte die Geestseite ab, denn nur von hier konnten wilde Tiere eindringen, nicht vom Moor.
KeramikSack und Pack
Von Hausrat, Werkzeug und Alltagsgegenständen der Bäuerinnen und Bauern am Goldbach sind in erster Linie die Scherben ihres Tongeschirrs erhalten geblieben. Das heißt zweierlei: zum einen, dass sich Gegenstände aus organischem Material (Kleidung, Möbel, Körbe und Netze ...) im Erdboden nicht erhalten konnten, zum anderen, dass die Menschen damals Meister im Recyceln waren. Nichts, was noch irgendwie brauchbar war, wurde weggeworfen. Immerhin war vor 3.000 Jahren die Bronze schon lange in Gebrauch. Trotzdem lag kein einziger Bronzegegenstand im Abfall.

Erdkeller mit zerbrochenen Töpfen Vorräte helfen über den Winter
Diejenigen Vorräte, für die kein Platz in den Häusern war, mussten an anderer Stelle gelagert werden. Dafür gab es Speicher und Erdkeller.
Die Speicher waren vom Erdboden abgehoben und standen auf mehreren Pfosten. Hier wurde vermutlich das Korn gelagert. Das war auch ganz praktisch gegen die Mäuseplage, denn damals gab es noch keine Hauskatzen bei uns.
Verderbliche Lebensmittel wie z. B. Äpfel und Nüsse wurden in Erdkellern außerhalb der Häuser aufbewahrt. Ein Erdkeller enthielt sogar noch die zerbrochenen Töpfe für die Vorräte.
Lebensmittel kann man ohne Weckglas und Tiefkühltruhe hauptsächlich mit zwei Methoden haltbar machen: Trocknen (etwa Heilkräuter) und Einpökeln (Fleisch), Getreide kann man über schwacher Hitze darren, bevor man es einlagert. Dadurch wird die Lagerfähigkeit erhöht, gleichzeitig bleibt die Keimfähigkeit erhalten.
Eine Brunnenröhre wird vorsichtig freigelegt.Wasser ist Leben
In der Daverdener Siedlung hat es mindestens 13 Brunnen gegeben. Das ist zunächst erstaunlich angesichts der Nähe zum Goldbach. Doch die Brunnen wurden nicht alle gleichzeitig benutzt, sondern über einen langen Zeitraum.
Wenn ein Brunnen aufgegeben wurde, setzte er sich entweder von selber mit Sand zu oder die Menschen füllten ihn zu, indem sie ihre Abfälle hineinwarfen. Scherben aus dem Abfall und naturwissenschaftliche Datierungen zeigen, daß die Brunnen (und das gut erhaltene Holz darin!) tatsächlich 3.000 Jahre alt sind.
Die Brunnen waren nicht sonderlich tief eingegraben, nur etwa 1,30 Meter unter der heutige Ackerkrume.
Genug zu essen?
Mussten die Leute hungern? Vermutlich ja. Alles spricht dafür, dass sie von der Hand in den Mund lebten. Es war wohl ein karges Leben, und gegen Ende des Winters wurden die Vorräte knapp. Dann freuten sich sicher alle über den ersten Löwenzahn und junge Brennesseln.
Was gab es zu essen?
Die Bäuerinnen und Bauern in Daverden ernteten verschiedene Getreidearten (das Risiko von Missernten wird kleiner als beim Anbau einer einzigen Art), dazu vermutlich Hülsenfrüchte. Außerdem sammelten sie wohl Beeren, Wildäpfel, Nüsse und Wildgemüse. Sie hielten Haustiere und gingen auf die Jagd oder zum Angeln. Salz und Honig gaben den Speisen Geschmack. Das alles klingt zunächst interessant, war aber eine für uns unvorstellbar eintönige Kost.
Aufbruch in die Fremde
Doch trotz der günstigen Lage blieben die Menschen nicht ständig am Goldbach. Irgendwann packten sie ihr Hab und Gut und zogen weg.
Genau gesagt war der Platz dreimal bewohnt: Einmal anscheinend nur kurze Zeit im 13. Jahrhundert v. Chr, in der Hauptsache in der Zeit zwischen 1.000 und 800 v. Chr. und dann noch einmal um 500 v. Chr. Danach kam niemand wieder hierher. Diese Daten wurden mit Hilfe der 14C-Methode ermittelt.
Warum verließen die Menschen ihr Zuhause? Waren die Felder erschöpft? Hatte sich zwischen den Häusern so viel Unrat angesammelt, dass die Menschen davon krank wurden? Oder fanden sie kein brauchbares Bauholz mehr in der Nähe, weil sie alles abgeholzt hatten? Viele Gründe sind denkbar, die die Menschen bewogen haben mögen, ihr Heim aufzugeben und an anderer Stelle ganz neu anzufangen. Das war im Übrigen nicht nur in Daverden so, sondern jahrtausendelang übliches Verhalten.
Wer lebte am goldenen Bach?
Zum Schluss die Frage nach den Menschen, die diese Siedlung bewohnten. Ihre sterblichen Überreste finden sich vermutlich in zwei Urnenfriedhöfen (oder in einem von beiden) in der unmittelbaren Nähe. Einer ist schon ausgegraben, der andere wird gerade erforscht. Die Auswertung wird uns hoffentlich die Menschen und ihre Lebensweise zeigen und uns das Schicksal der Bäuerinnen und Bauern am goldenen Bach näher bringen.