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Ein Faustkeil für zwei Fäuste
Der Faustkeil aus Stedebergen. Foto: Karl-Heinz Uhe, Nds. Landesmuseum Hannover.Wer in Stedebergen baden geht, kühlt sich an einem historischen Ort ab. Der Badesee war früher eine Kiesgrube, aus der H. Intemann aus Stedorf 1972 einen Faustkeil ausbaggerte. Faustkeile waren die Taschenmesser der Steinzeit: man konnte damit die Jagdbeute aufschlitzen, das Fleisch zerteilen und sogar die Knochen spalten.
Der Faustkeil ist 19 cm lang, dabei nur 3 cm dick und besteht aus schwarzem Tonschiefer. Solche Steine kommen im Harz und im Thüringer Wald vor, Flüsse transportierten sie als Geröll ins Flachland. Er ist etwas Besonderes, sowohl was sein Material, als auch was seine Größe angeht, denn die meisten Faustkeile sind kleiner und aus Feuerstein.
Über sein Alter streiten die Experten: Er kann mehr als 100.000, aber auch "erst" 50.000 Jahre alt sein. Damals lebten Neandertaler. Unattraktive Grobiane, klein, kräftig, untersetzt, richtige Muskelpakete mit derben Fäusten, fliehender Stirn und bedrohlichen Wülsten über den Augen. Ob Schwarze, Weiße, Indianer oder Asiaten, heute leben nur noch Menschen unserer Art auf der Erde, der Neandertaler und seine Vorgänger sind ausgestorben.
Den Faustkeil aus Stedebergen hat ein Meister seines Faches aus dem Stein geschlagen: technisch perfekt, symmetrisch und mit gleichmäßigem Umriss, für unsere Begriffe eine überraschend harmonische und elegante Form. Dafür musste er wie jeder Bildhauer eine genaue Vorstellung vom Ergebnis haben, und er musste wissen, auf welchen Wegen er sein Ziel erreicht, lauter Eigenschaften, die uns bekannt vorkommen. Und wir stellen fest: der Grobian aus der Steinzeit war feinsinnig und verstand etwas von Schönheit, er handelte planmäßig und zielvoll und war mit Vorstellungskraft begabt - er war wie wir. Er war ein Mensch.
Der Faustkeil aus Stedebergen wird im Nds. Landesmuseum Hannover aufbewahrt, eine Kopie ist im Historischen Museum Verden - Domherrenhaus ausgestellt.