Inhaltsbereich
Ein Grabhügel im Wald bei Stemmen

Der schwer beschädigte Grabhügel bei Stemmen (Foto: Bernd Steffens, Landkreis Verden). Grabhügel sind stumme Zeugen der Vergangenheit. Die meisten liegen tief in den Wäldern versteckt. Der Wald bewahrt sie vor dem Pflug, die abgelegene Lage vor mutwilligen Beschädigungen. Aber diese Faustregel stimmt nicht immer. Darum werden die Grabhügel im Landkreis Verden in regelmäßigem Abstand von ehrenamtlichen Helfern der Kreisarchäologie kontrolliert. In aller Regel entdecken sie nur kleinere Schäden, etwa Reifenspuren von der maschinellen Holzernte oder Fuchsbauten.
Um so größer war die Überraschung, als zwei Mitglieder der Urgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft im Wald bei Stemmen auf einen schwer beschädigten Grabhügel stießen. Jemand hatte mit dem Frontlader eine Schneise quer durch den Hügel gegraben und das Erdreich tief hinunter bis zum anstehenden gelben Sand ausgehoben. Grabhügel sind schützenwertes Kulturgut! Deshalb heißt es im Paragraphen 6 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes: Kulturdenkmale dürfen nicht zerstört, gefährdet oder so verändert (...) werden, dass ihr Denkmalwert beeinträchtigt wird.
Was einmal zerstört ist, ist unwiederbringlich verloren. Die Informationen, die in dem abgetragenen Grabhügelteil steckten, lassen sich nicht mehr beschaffen. Um trotzdem noch zu retten, was zu retten ist, wurden die Profile zu beiden Seiten der Schneise dokumentiert, um Aufschluss über den Aufbau und vielleicht sogar die Erbauungszeit des Grabhügels zu gewinnen. Das Ergebnis war allerdings denkbar mager: Zunächst war an dieser Stelle ein kleiner Hügel etwa 0,65 Meter hoch aus dunkler Erde angeschüttet, dessen Durchmesser nicht bestimmt werden konnte. Später vergrößerte man den kleinen Hügel, indem man Sand bis zu einer Höhe von gut einem Meter und einem Durchmesser von 13 - 14 Metern darüber schüttete. Das ist nichts Ungewöhnliches, Anbauten an vorhandene Grabhügel kamen öfter vor. Wann das allerdings war, die Erbauungszeit und die Erweiterung, ließ sich nicht feststellen, denn es wurden keine Funde entdeckt und auch von dem oder von den Toten im Grabhügel fehlte jede Spur.

Blick von oben auf den Grabhügel: der Frontlader hat in der Mitte ein großes Stück herausgerissen, ganz links sind noch ein kleiner Rest des Kernhügels (ganz dunkel) und ein größerer Rest der Hügelerweiterung (dunkel) vorhanden. Der Sand zum Zufüllen ist schon am Rand aufgetürmt (Zeichnung: Andrea Boneff, Bremen; digitale Bildbearbeitung: Jutta Precht, Landkreis Verden).

Blick auf Profil 2. Ganz links der dunklere Kernhügel, rechts die Erweiterung aus Sand, die Störungen durch Tierbauten und umgeworfene Wurzelteller sind weiß dargestellt. (Zeichnung: Andrea Boneff, Bremen; digitale Bildbearbeitung: Jutta Precht, Landkreis Verden).
Grabhügel wurden seit der Jungsteinzeit in der Mitte des 3. vorchristlichen Jahrtausends errichtet und erlebten ihre Blütezeit in der Bronzezeit rund 1000 Jahre später. Aber auch später in der frühen Eisenzeit um 700 v. Chr. hat man gelegentlich noch welche gebaut. In diesen 2000 Jahren wird auch der Grabhügel bei Stemmen errichtet worden sein. Was man aber deutlich erkennen konnte, war, dass nicht nur die Erdentnahme, sondern vorher auch schon die Natur dem Grabhügel schon schwer zugesetzt hatte. Dachs oder Fuchs hatten ausgedehnte Höhlen gegraben, Baumwurzeln durchzogen den gesamten Hügel und die Wurzelteller umgeworfener Bäume hatten große Löcher in den Hügel gerissen.
Grabhügel sind stumme Zeugen der Vergangenheit. Eine archäologische Ausgrabung kann ihnen ihre Geheimnisse entlocken. Doch das ist längst nicht immer erwünscht. Oft besteht ihr Reiz gerade darin, dass man sie unberührt in der Landschaft entdecken kann. Deshalb wurde der beschädigte Grabhügel bei Stemmen nicht komplett ausgegraben, sondern stattdessen wiederhergestellt. Immerhin sind noch gut zwei Drittel des Hügels intakt. Dankenswerterweise hat der Grundbesitzer Sand angefahren und damit den abgegrabenen Hügelteil angefüllt. Deshalb sieht der Grabhügel heute fast wieder so aus, wie er einst errichtet wurde. Er ist an Ort und Stelle erlebbar, dort, wo ihn die Menschen vor Jahrtausenden errichtet haben. Erst die erfolgreiche Zusammenarbeit von Unterer Denkmalschutzbehörde, engagierten Laien und aufgeschlossenem Grundbesitzer hat zu diesem Ergebnis geführt.

So sieht der Grabhügel heute aus. Wenn die frisch angefüllte Erde erst einmal wieder bewachsen ist, wird man von dem Schaden kaum noch etwas bemerken (Foto: Bernd Steffens, Landkreis Verden).