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Enttäuschte Hoffnungen, neue Erkenntnisse: Die Ausgrabung beim Feuerwehrgerätehaus in Uesen

Das dunkle Rechteck im Vordergrund ist der Überrest von einer der beiden Sachsen-Hütten (Foto: Bernd Steffens, Landkreis Verden). Als vor rund 100 Jahren die Brückenstraße in Uesen ausgebaut wurde, brauchte man Sand. Den konnte man direkt aus der Nachbarschaft beziehen, von dem Grundstück, auf dem heute die Freiwillige Feuerwehr steht. Doch beim Sandabgraben stießen die Arbeiter damals überraschenderweise auf zehn Urnen aus der jüngeren Bronzezeit. Sie werden heute im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover und in der Grundschule Uesen aufbewahrt. Deshalb waren Mitarbeiter der Kreisarchäologie zur Stelle, als die Freiwillige Feuerwehr Uesen 2012 ihr neues Gerätehaus baute.
Die Archäologen rechneten damit, noch ein paar Urnen zu finden und mehr über den Urnenfriedhof vor 3000 Jahren zu erfahren. Doch es kam anders. Als der Mutterboden mit schwerem Gerät entfernt wurde, beobachteten sie aufmerksam den Boden und suchten ihn nach Urnenscherben und verbrannten menschlichen Knochen ab. Doch die entdeckten sie nicht. Stattdessen kamen dunkle Erdverfärbungen zum Vorschein, die dem geschulten Auge auch gleich etwas sagten. Die dunklen Spuren im Sand gehörten zu zwei Hütten mit eingegrabenen Holzpfosten. Das Holz ist zwar völlig vergangen, hinterlässt aber charakteristische Verfärbungen.
Die Hütten waren nicht besonders geräumig, sondern mit etwa 3 x 4 Metern Grundfläche eher beengt. Sie waren ein wenig in die Erde eingegraben, so dass ihre Fußböden tiefer lagen als die Umgebung. So baute man lange Zeit bei uns. In den Hütten wohnte keiner, sondern das waren Handwerkshütten. Oft standen Webstühle darin. Die Hütten stammen aus sächsischer Zeit, vor rund 1500 Jahren.
Die beiden Hütten haben sicher zu einem größeren Gehöft gehört, das aus einem Wohnstallhaus und mehreren Nebengebäuden bestand. Ihre Relikte sind aber längst durch den Bau der Brückenstraße und der Nachbargebäude vernichtet. Höchstens unter dem kleinen bewaldeten Gartenstück nebenan könnten sich noch Spuren im Boden verbergen.
Statt des erwarteten Urnenfriedhofes aus der Bronzezeit kamen sehr viel jüngere Zeugen der Vergangenheit zu Tage, die ein völlig neues Licht auf Uesens frühe Geschichte werfen. Aus sächsischer Zeit war bis dahin nichts aus Uesen bekannt! Doch das sind nicht die Ursprünge Uesens. Bis weit ins Mittelalter hinein haben die Menschen ihre Höfe immer wieder verlegt. Sie haben ihr altes Zuhause verlassen und sind mit allem Hab und Gut an einen neuen Ort gezogen. Auch die Uesener Sachsen. Erst im Mittelalter entstand der heutige Ort.
Während der Grabung hat ein Tierskelett die Aufmerksamkeit aller Besucher auf sich gezogen. In sächsischer Zeit wurden manchmal Tiere geopfert und neben den Häusern vergraben. An ein solches Tieropfer hat man in Uesen zunächst gedacht. Doch die Tierknochenuntersuchung durch den Archäozoologen Hans Christian Küchelmann aus Bremen führte zu ersten Zweifeln: Das Rind war achtlos in die Grube geworfen worden. Ein C14-Datum ergab dann zweifelsfrei, dass das Tier zwischen 1895 und 1955 verkuhlt wurde. Statt bronzezeitlicher Urnen sächsische Hütten, statt sächsischem Tieropfer ein verendetes Rind: Enttäuschte Hoffnungen und neue Erkenntnisse liegen in der Archäologie oft dicht nebeneinander.