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Naturräume im Landkreis Verden - Vorbemerkungen

Übersichtskarte Naturräume Das Verdener Kreisgebiet teilt sich für den Betrachter in die drei Bereiche: Geest, Niederung und Moor auf. Die unterschiedlichen Ausprägungen unserer Landschaft liegen in den erdgeschichtlichen Vorgängen während und nach den Eiszeiten begründet.
- Die Geest ist als Grundmoränengebiet eiszeitlich geprägt durch leichte Kuppen und durch tiefer liegende Niederungen, insbesondere die Wümmeniederung, an deren Rändern sich teilweise Flugsanddünen entwickelt haben.
- Die Niederungen der Weser und Aller haben sich nacheiszeitlich entwickelt, die eingeschnittenen Auen bilden mit den aufgesetzten Flugsanddünen und Dünenfeldern eine Einheit.
- Die Moore (Hoch- und Niedermoore) sind ebenfalls nacheiszeitlich geprägt, sie haben sich in den Niederungen entwickelt, insbesondere in der Wümmeniederung und der Langwedeler Niederung.
Naturräumliche Gliederung
Die naturräumliche Gliederung der Landschaft wird hauptsächlich durch das Relief und die Beschaffenheit bzw. Zusammensetzung des Bodens mit dem dazugehörigen Boden-Wasser-Haushalt bestimmt. In kleineren Teilen des Kreisgebietes haben auch die Gesteine des voreiszeitlichen Untergrundes Auswirkungen auf die heutige Landschaft. In Verbindung mit dem Klima bilden sie die sog. Standortbedingungen und damit die Grundlage für die zu erwartenden bzw. möglichen Biotoptypen. Die naturräumliche Gliederung erfolgt mit Hilfe der Gebietskategorien naturräumliche Region, Naturraum und naturräumliche Einheit.
Der Landkreis Verden liegt in vier naturräumlichen Regionen, wobei die Regionen "Watten und Marschen" im Nordwesten und "Lüneburger Heide und Wendland" im Südosten nur relativ kleine Bereiche abdecken. Die Regionen "Stader Geest" und "Weser-Aller-Flachland" bilden mit 57 % bzw. 42 % des Kreisgebietes die Schwerpunkte. Die Regionen sind wiederum in Naturräume unterteilt. Für das Kreisgebiet ergeben sich zehn verschiedene Räume. Sie lassen sich weiter in naturräumliche Einheiten untergliedern.
Der Naturschutz und die Landschaftspflege setzen sich so intensiv mit der naturräumlichen Gliederung auseinander, da bei der Beschreibung und Bewertung der Schutzgüter Boden, Wasser, Klima/Luft, der Arten und Lebensgemeinschaften und bei der Erarbeitung von Leitbildern der naturräumliche Bezug jeweils eine grundsätzliche Rolle spielt.
Aus naturschutzfachlichen Sicht lässt sich feststellen, dass die beschriebenen naturgegebenen Unterschiede zwischen den einzelnen Naturräumen in der Vergangenheit durch technische Bauwerke (Deiche, Straßen etc.), durch Meliorationsmaßnahmen (Ausbau und Vertiefung vorhandener Gräben oder Fließgewässer und Herstellung von Vorflutern) und Siedlungstätigkeit teilweise stark verändert wurden. Diese Veränderungen haben dazu geführt, dass es heute dem Laien schwer fällt, die einzelnen Landschaften zu identifizieren. Insbesondere die Übergänge zwischen zwei Naturräumen zu erkennen, ist zum Problem geworden. Die Übergänge sind fließend. Beispielsweise werden heute die Deichlinien in der Weser- und Allerniederung allgemein als Grenzen der Niederungen akzeptiert. Die Niederung ist jedoch erheblich größer, was sich anhand des Bodens und der Topographie belegen lässt.
Die durch die Deichbauten entstandenen Verengungen des Abflussbereiches führten zur Sicherung einer hochwasserfreien ackerbaulichen Produktion auf sehr gut mit Nährstoffen versorgten Böden. Gleichzeitig wurde aber der Retentionsraum der Flüsse erheblich reduziert, was zu schneller auflaufenden Hochwassern führt. Hier ist die Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Wasserwirtschaft und dem Naturschutz aufgefordert, Konzepte zu entwickeln und Maßnahmen zu ergreifen, um den Flüssen ihre Auen wieder zurückzugeben. Die Vergrößerung der Retentionsräume führt zu einer Verstetigung des Hochwasserabflusses und zu einer möglichen Entwicklung im Sinne des Naturschutzes und der Landschaftspflege, wie z. B. Herstellung großer zusammenhängender extensiv genutzter Grünlandgebiete als Lebensräume für Wiesenvögel und/oder Aufbau von Auewäldern.
Ein weiteres Beispiel ist die Wümmeniederung. Für die meisten Betrachter endet die Niederung im Süden an der Eisenbahnlinie Bremen-Rotenburg. Dass das Breitenmoor nördlich von Schaphusen/Oyten und das Königsmoor/Oyten bis an die Ortslage Embsen/Achim noch zum Naturraum Wümmeniederung gehören, ist den wenigsten bekannt. Die sog. Nivellierung der Standorte durch Meliorationsmaßnahmen führt zu einer Einheitslandschaft. Die standortabhängige und -angepasste Bewirtschaftung (z. B. späte Mahd wegen des hoch anstehenden Grundwassers) wird nur noch von einigen Landwirten durchgeführt, weil der damit verbundene Arbeitsaufwand und das relativ hohe Ertragsrisiko nicht mehr grundsätzlich akzeptiert werden.
Der Übergang zur Region "Lüneburger Heide und Wendland" ist in der Örtlichkeit - östlich der Lehrdeniederung - schwer nachzuvollziehen, da sich im Kreisgebiet nur ein sehr kleiner Teil befindet, die typischen Ausprägungen des Naturraumes lassen sich erst im Nachbarlandkreis erfahren.
Neben dem Verschwimmen der Grenzen ist es teilweise zum Verlust des Typischen und Unverwechselbaren gekommen. Damit einher geht der Verlust der Vertrautheit der hier ansässigen Menschen mit ihrer Landschaft. Eine Beziehung zur Landschaft, in der wir leben und mit der wir uns identifizieren können, kann sich nicht mehr entwickeln. Die uns umgebende Landschaft wird somit zur reinen Kulisse degradiert, die entsprechend auswechselbar ist. Diese Entwicklung darf so nicht weitergehen. Es sind die Eigenarten der Landschaften herauszustellen, zu sichern, bei Planungen aller Art zu beachten und behutsam zu entwickeln.
Um die noch jeweils vorhandenen Eigenarten deutlich zu machen, sind die zehn Steckbriefe der Naturräume erarbeitet worden. Neben der Beschreibung der Standortbedingungen in Stichworten wird für typische Strukturmerkmale auch der Bezug zur Lage hergestellt. Dies geschieht, um die Möglichkeit zu geben, diese Orte aufzusuchen und zu betrachten. Hierfür bietet sich u. a. die Veröffentlichung des Landkreises "Radwandern & Freizeit - Landkreis Verden" (Mappe mit 5 Kartenblättern, 1993) an.
Für die angegebenen Beispiele besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit, da hier nur ein Überblick auf der Grundlage des Landschaftsrahmenplanes des Landkreises Verden, Dezember 1995, gegeben werden kann.
(veröffentlicht in den Heimatkalendern 1998 und 1999)