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So wohnten sie vor 3500 Jahren - Eine Ausgrabung in Achim-Bierden
Auch nach vielen Jahren archäologischer Forschung klaffen immer noch große Lücken im Wissen um die prähistorischen Wohnverhältnisse. Vor allem Hausgrundrisse aus der Bronzezeit sind rar: Wir haben kaum Informationen, wie die Menschen damals wohnten. Das ist umso bedauerlicher, weil im Verlauf der Bronzezeit das Wohnstallhaus aufkam, in dem Mensch und Vieh unter einem Dach lebten und das uns Heutigen als Niedersachsenhaus geläufig ist. Wo liegen seine Wurzeln? Was sind seine Vorgänger? Ein wenig Licht ins Dunkel bringt eine Ausgrabung in Achim-Bierden.
Wo heute in Bierden der Mais wächst, wühlten sich 2011 die Bagger der Nordeuropäischen Erdgasleitung durch das Erdreich. Aus Sibirien kommend durchquert die Trasse die Ostsee und führt durch Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen bis nach Rehden bei Diepholz, wo das Gas in großen Speichern gelagert wird, um es dann weiter nach Westeuropa zu befördern.
In Bierden verläuft die Trasse zwischen den Bahngleisen und der Bremer Straße. Hier fand im Sommer 2011 eine große archäologische Ausgrabung statt. Auf einer Fläche von fast einem halben Hektar wurden dabei Hausgrundrisse aus mehr als 1000 Jahren entdeckt. "Die Häuser decken den Zeitraum von der frühen Bronzezeit bis in die ältere Eisenzeit ab", so Klaus Gerken, der die Ausgrabung mit seiner Fachfirma Gerken-Archäologie durchführte. "Das ist eine ungewöhnliche Konzentration am selben Ort, für die es nur wenige Vergleiche gibt."

Haus der älteren Bronzezeit um 1500–1300 v. Chr. aus Achim-Bierden (Rekonstruktion: Thomas Fornfeist)
Eines der Häuser war mehr als 29 m lang und 7 m breit. Im Innern trug eine Reihe von Mittelpfosten den Dachfirst, es gehört zu den sog. Firstpfostenhäusern. Die Innengliederung, falls es denn eine gab, ist bis auf eine kleine Flechtwerkwand im Westen nicht mehr zu erkennen. Für die zeichnerische Rekonstruktion wurde der Ausgrabungsbefund originalgetreu in eine dreidimensionale Ansicht übersetzt. Die beiden halbrunden Schmalseiten beruhen auf Vermutungen, denn sie liegen außerhalb der Grabungsfläche und wurden nicht ausgegraben. Die oderirdischen Gebäudeteile dieser Holzhäuser erhalten sich normalerweise nicht. Das tief herunter gezogene Reetdach, die Lage der Eingänge und die Wandfüllung aus geflochtenen Weidenruten beruhen deshalb ebenfalls auf Annahmen. Holzkohle aus einem der mittleren Firstpfosten ergab ein C14-Datum von 1501–1320 cal BC. Das Haus wurde also in der älteren Bronzezeit errichtet. Das ist die große Zeit der Grabhügel, die überall in den heimischen Wäldern zu finden sind.
Die spannende Frage ist, wie dieses Haus genutzt wurde. War es ein Wohnhaus? War es ein Speicher oder ein Stall? Oder lebten darin Mensch und Vieh unter einem Dach? Um einer Antwort näher zu kommen, wurden Phosphatproben entnommen. Sie können zeigen, ob Vieh im Haus aufgestallt war. Phosphat gelangt mit den Ausscheidungen der Tiere in den Boden und erhält sich hier über lange Zeiträume. Hausbereiche mit hoher Phosphatkonzentration weisen auf Ställe hin. "Auf die Analyseergebnisse darf man gespannt sein", so Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht, "versprechen sie doch Erkenntnisse über Wohn- und Wirtschaftsformen der Bronzezeit, über die bisher kaum etwas bekannt ist."