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Verden - Eine wehrhafte Stadt. Die Stadttore werden untersucht
Verden war im Mittelalter von einer Stadtmauer umgeben. Die Backsteinmauer war bis zu 3 m hoch und mit Türmen und Stadttoren versehen. Was heute eine Touristenattraktion ersten Ranges wäre, hat man im 18. und 19. Jahrhundert bis auf geringe Reste kurzerhand abgerissen. Nur am Sandberg, bei den ehemaligen Stadtwerken und am Allerufer sind Teile der Stadtmauer erhalten und am Piepenbrink steht noch ein Turm, aber die Tore sind völlig aus dem Stadtbild verschwunden. Doch das heißt nicht, dass keine Überreste mehr vorhanden wären.

Nordertor - Blick auf die Ausgrabung. Man sieht die schwierigen Arbeitsbedingungen für die Archäologen (Foto: Jan Geidner, Archaeofirm). 2011 wurde der Nordertorkreisel gebaut. Gleichzeitig hat man auch den Regen- und Schmutzwasserkanal in der Großen Straße neu verlegt. Dabei kamen zwischen Nordertorapotheke und den Redaktionsräumen der Verdener Aller-Zeitung gleich unter dem Pflaster die Mauern des ehemaligen Nordertores zum Vorschein. Der mächtige Torturm war aus Backsteinen gemauert und hatte ein massives Findlingsfundament. Daran schloss sich ein Kopfsteinpflaster an. Die Ausgrabung durch die Grabungsfirma Archaeofirm konnte nur Teile des Torturmes aufdecken, nicht das ganze Fundament. Vorangegangene Baumaßnahmen hatten schon zu viel zerstört, und es konnte auch nur die Kanaltrasse untersucht werden, nicht die gesamte Straßenbreite.

Die Backsteine des Nordertores sitzen auf einem Fundament aus Findlingsblöcken (Foto: Jan Geidner, Archaeofirm).
Das Nordertor auf einem Gemälde nach 1816.Das Nordertor gehörte zu der Stadtmauer, die Bischof Iso Anfang des 13. Jahrhunderts um die Norderstadt herum bauen ließ. Das entspricht etwa dem nördlichen Teil der Fußgängerzone. Wie der Turm zu der Zeit oberirdisch aussah, ist nicht bekannt. Auf einer Stadtansicht von 1663 hatte er ein Satteldach und einen Treppengiebel, wie er in der Renaissance modern war. Später hat man das Dach zu einem Zeltdach umgebaut und auf drei Ebenen Fensteröffnungen oder Schießscharten eingezogen. Das zeigt ein Gemälde, das nach 1816 entstand. Ab 1790 hatte die Stadt Verden die Mauer mit sämtlichen Türmen und Toren zum Abriss freigegeben, mit dem Erlös aus dem Verkauf der Ziegel füllte sie die Stadtkasse auf. Anfang des 19. Jahrhunderts stand das Stadttor noch, wann es abgerissen wurde, ist unbekannt. Nach der Ausgrabung wurden seine Fundamente, wo es möglich war, im Boden gelassen.
Außer dem Nordertor gab es noch das Ostertor, das Brücktor und das Südertor. Sie gehörten zur Mauer um die Norderstadt. Als im 14. Jahrhundert auch die Süderstadt, der südliche Teil der Fußgängerzone bis zum Domgymnasium, befestigt wurde, brauchte man wieder ein Stadttor, das „Neue Tor“. Seine Überreste kamen im Herbst 2006 ans Licht, als in der Andreasstraße der Regen- und Schmutzwasserkanal erneuert wurde. Auf Höhe des Domgymnasiums tauchten in 80 cm Tiefe unter dem Straßenpflaster Mauerreste auf, die an ihrer tiefsten Stelle mehr als 2,50 m tief in den Untergrund hinab reichten. Das waren nicht nur Fundamente, sondern auch Teile des aufgehenden Mauerwerks. Auch hier waren die ausgegrabenen Ausschnitte zu klein, um den Grundriss zuverlässig zu rekonstruieren.

Neues Tor - Blick auf die Ausgrabung. Im schmalen Kanalgraben müssen alle archäologischen Arbeiten erledigt werden (Foto: Bernd Steffens, Landkreis Verden). 
Neues Tor. Man erkennt die Backsteinmauern im Schacht für den Regen- und Schmutzwasserkanal (Foto: Bernd Steffens, Landkreis Verden).

Das Neue Tor auf einem Stich von Merian, 1653. Der Merian-Stich von 1653 zeigt eine Tordurchfahrt in einem mehrgeschossigen Torturm mit Fenstern und Treppengiebel. Der Verdener Bischof Daniel von Wichterich ließ das Tor wahrscheinlich zwischen 1342 und 1356 bauen, konnte es aber wohl nicht fertigstellen. Das ist irgendwann später geschehen. Als die Stadtmauer ab 1790 zum Abriss freigegeben wurde, muss bald darauf auch das Neue Tor abgebrochen worden sein, denn auf dem Stadtplan von Capitain Croupp aus dem Jahre 1808 ist es schon nicht mehr dargestellt. Wo möglich, wurden seine Überreste nach der Ausgrabung im Boden belassen. Sein Verlauf ist heute durch ein abweichendes Pflaster im Bürgersteig gekennzeichnet.