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Wassermühle in Stemmen
Die jetzige Anlage führt die Tradition der ältesten, seit dem 11. Jahrhundert urkundlich nachweisbaren Mühle im Landkreis Verden fort, die zunächst dem Bremer Erzbistum unterstand, seit 1231 dem Verdener Domkapitel gehörte und 1750 in Privatbesitz überging. Aus dieser Entwicklung resultiert die orts-, landes- und sozialgeschichtliche Bedeutung der Mühle.
1898 entstand das jetzige Haupt-Mühlengebäude in der damals typischen Art einer Industriemühle in historistischer Architektursprache. Der stattliche Ziegelbau von 3:7 Achsen besitzt 3 1/2 Geschosse; auf der Hofseite ist die mittlere, übergiebelte Achse als Eingangs- und Aufzugsachse ausgebildet. Die Fassaden besitzen eine strenge Feldergliederung aus Lisenen und Gesimsen, in den segmentbogigen Öffnungen sitzen gußeiserne Sprossenfenster bzw. in der Mittelachse hölzerne Kasettentüren.
So gut wie vollständig erhalten und im Prinzip betriebsfähig ist die technische Mühleneinrichtung auf den insgesamt 4 Nutzungsebenen, wobei eine Turbine die Doppelwalzenstühle zur Mehlproduktion, eine Hammermühle, eine Futterpresse und das jeweilige Zubehör antrieb. Diese Einrichtung stammt überwiegend aus den 1920er Jahren, aber auch noch ältere, bauzeitliche Elemente sind enthalten.

Wassermühle in Stemmen (Foto: Gerhard Precht, Landkreis Verden)
Wenn die Lehrde nicht genug Wasser führte oder im Winter alles vereist war, konnte man sich immer auf den „Diesel“ verlassen, so dass die Arbeit in der Mühle nicht eingestellt werden musste.

Der 4-Zylinder-Dieselmotor (Foto: Imke Stöver, Landkreis Verden) Der 4-Zylinder-Dieselmotor der Firma Herforder Motorenfabrik wurde Ende der 1970er Jahre als Nachfolger verschiedener Dieselmotoren von der 1-Zylinder- bis 3-Zylinder-Generation eingebaut.
Der Motor hat eine Leistung von 340 PS bei einer Drehzahl von 500 Umdrehung pro Minute. Gestartet wird er mit Hilfe von Druckluft aus einer extern stehenden Gasflasche. Betrieben wurde der Motor anfänglich mit Schweröl, später wurde Dieselkraftstoff verwendet. Alternativ könnten problemlos alternative Kraftstoffe wie z. B. Rapsöl verwendet werden. Die Kraftstoffmenge beträgt 50 Liter pro Stunde.

Herstellerschild Motorenfabrik Herford (Foto: Imke Stöver, Landkreis Verden Damit wird deutlich, dass diese Art der Energiegewinnung in heutiger Zeit wenig rentabel wäre. Zur Zeit des Mühlenbetriebes wurde die Abgaswärme tatsächlich als Heizwärme für die Büroräume und das Wohnhaus genutzt. Der Wärmeaustauscher ist noch im Maschinenhaus sichtbar. Die Energie wurde durch ein 8 Tonnen schweres Schwungrad (rechts vom Motor) auf den Generator übertragen. Der Generator hat eine Leistung von 270 kVA (KW). Der Motor erzeugte die gesamte Energie für den Müllereibetrieb und die Mischfutterherstellung. Ebenfalls wurde mit der von ihm erzeugten Energie der Silo betrieben und der Strom für das Wohnhaus produziert. Das bedeutete, dass der Betrieb und das Haus energetisch autark waren.

Ein 8 Tonnen schweres Schwungrad überträgt die Energie auf den Generator. (Foto: Imke Stöver, Landkreis Verden)
Ein Ziel der Sanierung der Wassermühle war, ein innovatives und integratives Konzept umzusetzen, in welchem mittels Wasserkraft und historischer Technik sowie moderner Solarenergie Strom erzeugt werden soll. Die Umsetzung des Projektes war ein voller Erfolg. So sind auch heute wieder alle Gebäude energetisch autark.
Sanierung der Wasserturbine
Das Herzstück der Wassermühle Stemmen muss nach jahrzehntelangem Betrieb gründlich saniert werden. Fließendes Wasser setzt sogenannte kinetische Energie frei. Wenn die Strömung des Wassers die Turbine in Bewegung setzt, wird kinetische in mechanische Energie umgesetzt. Um das angelieferte Korn zu Mehl zu mahlen, wurden über unzählige Treibriemen die Walzenstühle in Betrieb genommen. Heute wird von der Turbine ein Generator zur Stromerzeugung angetrieben.
Im Laufe der Zeit wurde die Turbine stark vom Wasser angegriffen und war nicht mehr funktionstüchtig. Mit erheblichem Einsatz wurde die Turbine ausgebaut und soll nun wieder instand gesetzt werden. Bei der Stemmener Wasserturbine handelt es sich um eine Francis-Schacht-Turbine, bei der das Laufrad radial (speichenförmig angeordnete metallische Schaufeln) von außen angeströmt wird.

Die Turbine wurde ausgebaut (oben links). Das Laufrad wird entrostet, der Kern ist noch gut (oben rechts, unten links). Die Schaufeln (unten rechts) sollen mit einer Keramikbeschichtung versehen werden. Dadurch wird sich die Widerstandsfähigkeit der Schaufel gegen das ständig strömende Wasser extrem verlängern.

Schematische Darstellung einer Francis-Schacht-Turbine