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Wo der Spargel wächst: Römisches Tafelgeschirr auf einheimischem Acker

Römische terra sigillata aus dem Landkreis Verden (Foto: Bernd Steffens, Landkreis Verden). Schönes Geschirr gehört zur ansprechend gedeckten Tafel. Nicht nur heute, sondern schon vor 2000 Jahren. Das bessere Tafelgeschirr der Römer war die terra sigillata, eine feine, rotglänzende Keramik, die meistens glatt, aber manchmal mit Bildern von Menschen, Tieren oder Pflanzen verziert ist.
Ausgerechnet eine Scherbe von einer verzierten Schale hat jetzt ein Hobbyarchäologe auf einem Spargel-Acker gefunden. Das Bildfeld ist erhalten: Man erkennt einen Hasen, der zwischen zwei Vögeln nach rechts läuft, darüber springt ein Hund nach links, wo Platz ist, hat man Blumenmotive untergebracht. Das ist ein seltener Fund. Ab und an taucht solche Keramik in Niedersachsen auf, aber im Landkreis Verden ist es der erste Fund!
Die Gefäße wurden auf der Töpferscheibe gedreht und als Massenware hergestellt. Die Bilder wurden in einem zweiten Arbeitsschritt noch vor dem Brand angebracht. Dafür drehte man den Rohling in einer Formschüssel mit dem Negativ des Bildes. Das Gefäß aus dem Landkreis Verden stammt aus einer Manufaktur in Rheinzabern in der Pfalz. Dort und an anderen Orten im Römischen Reich wurde das Geschirr in großen Stückzahlen in Serie gefertigt und in großem Maßstab in den Handel gebracht.
Römisches Geschirr bedeutet nicht, dass Römer anwesend waren. Germanische Söldner taten Dienst im römischen Heer und brachten Schönes und Nützliches mit nach Hause, Händler verkauften ihre Waren auch an Einheimische und schließlich haben beutehungrige Germanen so manches Stück von ihren Raubzügen mitgebracht. Und so wird das römische Gefäß die Tafel eines Germanen geziert haben. Immerhin konnte man damit Weltläufigkeit und einen gewissen Wohlstand demonstrieren. Spargel gab es übrigens auch schon bei den Römern und den werden sie wohl auch auf terra sigillata-Platten serviert haben. Zu uns ist der Spargel aber erst viel später gekommen. In der luxuriösen Schüssel vom Spargelacker wurde daher vielleicht nur Brei oder Grütze gereicht.