Die Zeit zwischen Ernte und neuer Aussaat nutzen die Archäologen gern zur Absuche der Äcker nach Artefakten. Wenn es dann noch einen starken Wolkenbruch gibt wie am 5. September 2024, bestehen beste Aussichten auf interessante Funde.

Fundstück in Blender: Ein kompletter Spinnwirtel war vom Regen freigespült worden. (Foto: Heinz-Dieter Freese) Der ehrenamtlich beauftragte Mitarbeiter der Kreisarchäologie Heinz-Dieter Freese prospektierte nahe der Ortschaft Blender einen Acker, auf dem sich bereits in einem Luftbild aus dem Jahre 2015 alte Siedlungsspuren zeigten. Die Absuche ergab zahlreiche Keramikfragmente, die in die ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderte datiert werden können. Auch ein kompletter Spinnwirtel (s. Foto) war vom Regen freigespült worden, ein glücklicher Moment für den Finder. Mit solch einem Gerät wurde ein Faden aus Schafswolle hergestellt. Und wir dürfen annehmen, dass an Stelle des Fundortes im 2. Jh. n. Chr. ein Bauernhof gestanden hat.
Auf einem anderen Acker in der Wesermarsch ereignete sich sogar ein kleines Wunder bei der Absuche. Heinz-Dieter Freese führt als „drittes Auge“ auch ein Metallsuchgerät auf dem Acker mit sich. Durch das Gerät wurde er auf ein kleines Metallstück aufmerksam, nicht viel größer als ein Daumennagel (s. Foto). Und - kaum zu glauben - nach der Reinigung erschien darauf ein winziger Frauenkopf mit Haartracht und Dutt. Das Mini-Metallstück ist also der Rest einer Münze. Bei der portraitierten Frau handelt es sich um Faustina die Jüngere (130-176 n Chr.), die Gattin Kaiser Mark Aurels. Zwar hat der Münzenrest keinen Geld- und Sammlerwert und er taugt auch nicht für das Museum, aber zusammen mit vielen anderen vergleichbaren Stücken in den Landkreisen Nienburg und Verden beweist er doch einen regen Handel mit dem römischen Reich beidseits der Weser in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung.

Münzenrest mit der Abbildung eines Frauenkopfes mit Haartracht und Dutt. Bei der portraitierten Frau handelt es sich um Faustina die Jüngere (130-176 n Chr.), die Gattin Kaiser Mark Aurels. (Foto: Heinz-Dieter Freese)
Autor: Heinz-Dieter Freese
